PFORZHEIM. Es ist ein ebenso märchenhafter wie schriller Abend, den die beiden mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis dekorierten Karlsruher Bühnenkünstler Annette Postel und Gunzi Heil dem Publikum im Pforzheimer Kulturhaus bescheren. Unter dem Motto „Blonde haben eben mehr Spaß” entführen die beiden strohblonden Humoristen Heil und Postel ihre Gäste gemeinsam mit dem Pianisten Joe Völker auf eine wunderbar abwechslungsreiche und mitunter skurrile Zeitreise, bei der „die Geschichte der blonden Musik” von der Steinzeit bis zur Gegenwart mit viel Witz beleuchtet wird.
So verschieden die Genres der beiden gewitzten Blondschöpfe bei ihren Soloprojekten auch sind — die stimmgewaltige Postel sopraniert mit hinreißender Mimik und Gestik, der hochgewachsene Heil indes parodiert und lässt am liebsten die Puppen tanzen. Ganz hervorragend ergänzen sich die beiden in dem Programm, das eine gelungene Melange aus neu arrangierten und unkonventionell betexteten Schlagern und Arien, aus Volksweisen, Märchen und allerlei Albernheiten ist.
Frisch, frech und fröhlich kommt die niemals blasse Blond-Show daher, bei der Annette Postel nicht nur ihre Leidenschaft für den Neandertaler als Prototyp des echten Mannes mit Verve besingt, sondern auch ihre Qualitäten als potenzielle Ersatzschauspielerin für eine ausgefallene Kollegin sang- und klangvoll unter Beweis stellt. Mal stimmt sie sich die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte” vor und trifft selbst die hohen Töne mit einer solchen Leichtigkeit, dass den Zuhören wohlige Schauer über den Rücken laufen.
Nicht minder angetan sind die Besucher von Gunzi Heil, der insbesondere mit seiner Parodie auf den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki seine Paraderolle findet. Herrlich, wie er tagesaktuelle Geschehnisse wie den Kabinenbesuch der Kanzlerin nach dem Spiel der Fußballnationalmannschaft gegen die Türkei oder die Protestes gegen Stuttgart 21 auf die Schippe nimmt – „Tausende Schwaben gehen auf die Straße, ohne dass Kehrwoche wäre”. Gelungen aber auch wie er im Dialog mit Annette Postel deren Qualitäten im Spannungsverhältnis von „Coloration und Koloratur” auslotet. Dazu Heils kurzweilige Märchenerzählungen, bei denen unter anderem Rapunzel und Frau Holle aus völlig neuem Blickwinkel zu erleben sind.
Ein gelungener Abend, der nicht nur den Blondschöpfen unter den Besuchern gefallen hat.
23.10.2010
