Annette PosteI und Gunzi Heil im ausverkauften klag
Gaggenau (mhr) Blondinenwitze oder sonstige Anspielungen auf den möglichen Geisteszustand von Blonden sind absolut fehl am Platze seit es Annette Postel und Gunzi Heil gibt. Die wandlungsfähige Chanteuse mit klassisch geschultem Sopran und der multitalentierte Tausendsassa strafen alle Vorurteile Lügen, erst recht im Duo. Das ungleiche Tandem stürmte hin- und mitreißend durch die an den Haaren herbeigezogene Entstehungsgeschichte blonder Musik.
Um mit dem Programm „blond 2 — frisch getönt” eine Lanze zu brechen für alle Blondschöpfe im Land. Doch ist hier beileibe nicht alles blond, was glänzt. In Joe Völker, einem „Mann wie ein Klavier”, findet sich ein schwarzer Fleck im abwechslungsreichen Geschehen und eigenständiger Mitstreiter an den schwarzweißen Tasten. Was beweist: Nicht nur „Blondes have more fun”.
Gemeinsam karikieren sie im rasanten Wechsel den Reigen rund um blonde Klischees. Angefangen bei der blonden Steinzeit lmd von Gunzi Heil am Klavier wortspielerisch und musikalisch exemplarisch im Minutentakt in die Ära „Rock around the clock” überführt. In Anlehnung an Barnie Geröllheimer, den ersten blonden Steinbruch-Arbeiter, unterstreicht Postel mit einer Stimme zum Steinerweichen ihren Männertraum. Doch soll es wirklich „ein Neandertaler” sein oder doch lieber ein blonder Recke aus dem Mittelalter?
Als Pärchen im Märchen und mit zwei Blockflöten statt Ritterschwert bezirzen Annette-Rapunzel der in Duschvorhang gehüllte Gunzi-Cyrano de Bergerac. Angesichts derartiger Umtriebe entflieht Pianist Joe in die Blütezeit der Klassik zu Mozart und Paul McHaydn. Dort trifft er auf die Königin der Nacht und deren stimmgewaltige, aber nervtötende Suche nach dem nächsten Ton. Annette Postel und Gunzi Heil zünden ein musikalisch-komödiantisches Feuerwerk der Extraklasse. Während die Postel im einen Moment mit klirrend klarem Mezzosopran „ein Glas zum Springen singt”, plätschern im nächsten zuckersüsse Klänge aus den Tasten. Von Richard Claydermann, dem blondesten aller Pianisten, versteht sich.
Doch damit nicht genug, der höchst vergnügliche, haarsträubende Streifzug verquickt Schattenspiel mit Brahms und einem blond bezopften Schwestern-Duett. Den Welthit„Something Stupid” singen Gunzi Williams und Annette Kidman mit hyperblondem Schmelz. Zum Missiallen Von Gunzi Reich-Ranicki, der als Klappmaulfigur von seiner Puppenbühne herunter über Gott und die Welt wettert. Und sich sehr darüber wundert, dass ein Gast aus der Kulturhauptstadt Essen in Gaggenau „Kultur schaut”.
Ähnlich bissig kommentiert er Postels vielgestaltige Bewerbung für eine Gesangsrolle. Sei es im dramatischen Chansonfach, als fesches Operettenmaderl, ungarische Gulasch-Verfechterin oder berlinernde Knef-Göre, Postels sängerisches Vermögen wird durch ihren Mut zur selbstironischen Posse noch gesteigert. Ihre nahtlosen Sprünge zwischen E- und U-Musik ergänzt der Allrounder Heil als kongenialer Chamäleon-Partner.
Lustvoll frönen sie blondem Schlagergut der 70er Jahre, denen sich Gunzis zum Wiehern komische Fahrschulerlebnisse anschließen. Als sie sich als Blond-Blues-Brothers in Weltschmerz versteigen, gibt's auch im Publikum kein Halten mehr und daraufhin Zugabe um Zugabe. Nebenbei wird auch das Geheimnis ihres Blindseins gelüftet. Soviel dazu: „Blond 2 - frisch getönt” und „wunderfön” getunt verdient das Prädikat… erste Sahne!
23.10.2011
