Herrlich hellhaarig

Musikkabarett: Gunzi Heil und Annette Postel sind »Blond — frisch getönt« im Hofgarten Aschaffenburg

Aschaffenburg. Ein Abend im Zeichen blonder Haarpracht, wobei er die lange Mähne, sie den kurzen Pagenkopf trägt. Das Blonde im Kabarett, im Aschaffenburger Hofgarten, ist an diesem Freitag Abend zwar titelgebend und roter Faden, doch im Mittelpunkt stehen Gesang, Musik und Wortakrobatik.

Zu Gast sind Gunzi Heil, seines Zeichens Liedermacher, Puppenspieler und begnadeter Parodist aus Baden, und Annette Postel, ausgebildeter Sopran mit überaus komischem Talent. Sie zeigen ihr Programm »Blond — frisch getönt«. Gut, einer ist noch dabei, der hält die dunkelhaarige Stange hoch, doch der Mann am Flügel, Joe Völker, darf zwar hin und wieder seinen Wortbeitrag leisten, ist aber in erster Linie und ausgesprochen virtuos für die musikalische Untermalung zuständig. Er gibt den Takt vor für diesen blonden Abend, der von der ersten Sekunde an begeistert.

Die blonde Zeitreise beginnt mit Stein — und hier darf Gunzi Heil schon mal seine zahlreichen Talente anklingen lassen. Am Klavier spielt, singt und fabuliert der 45-jährige, reizt mit seinen so abstrusen wie witzigen Gedanken- und Wortkreationen die Lachmuskeln der Zuschauer. Rund um das Thema Steinzeit, Steine und Musik fällt dem Barden allerlei Schräges ein, manches irgendwie naheliegend und doch nie so in Worte gefasst, anderes wunderbar absurd und neu.

Es ist ein Abend, der im Trio, als Duett sowie solo funktioniert, abwechslungsreich, geistreich und immer wieder überraschend. Beeindruckend die Sangeskraft von Annette Postel, die Variationsbreite ihrer Stimme, die Klangfülle und der Humor, mit denen sie ihre ganz speziellen Gesangspartien anzureichern vermag. Ihre Carmen-Interpretation — eine graue Maus wird zur Männer verschlingenden Bestie — ist musikalisch wie darstellerisch einfach Spitzenklasse.

So unterschiedlich die beiden Akteure, die grazile Sopranistin und der langbeinige Schlacks, auch sein mögen, so perfekt harmonieren sie, ergänzen sich, setzen optische wie inhaltliche Kontrapunkte, gewinnen gemeinsam wie alleine das Publikum und zeigen, auf welch solider künstlerischer Basis ihr Kabarettprogramm fußt.

Sitzt Heil am Klavier, fliegt das lange Blondhaar, sein Spiel wechselt zwischen hektisch, fröhlich, melancholisch und plätschernd, ganz wie es die Situation erfordert. Immer wieder für herzhafte Lacher gut: Gunzi Heils entschleunigte Fahrschulerlebnisse, ein Entdeckung der Langsamkeit, zumindest für den Fahrlehrer und die restlichen Verkehrsteilnehmer (»Herr Heil, die halten uns für eine Wanderbaustelle… Wenn Sie so weiter fahren, müssen wir einen Parkschein ziehen«). Und bei Frau Holle, einem »musikalischen Märchen in 100 Sekunden«, singen die Zuschauer selbst dann euphorisch mit, wenn ihr Einsatz noch gar nicht gefordert ist.

Den Rahmen des Abends bildet die Reise durch die »blonde Musik«, klassisch, romantisch, modern — und erreicht einen skurrilen Höhepunkt mit den kitschig-farbenfrohen 70er Jahren. Zwar kann Annette Postel ihre wunderbare Stimme hier nur hin und wieder in beeindruckende Höhen schrauben, dafür aber mit ihrem mimischen Talent punkten. Herrlich rollt sie die Augen, klappert mit denn Wimpern und schmachtet Partner Heil »immer wieder sonntags« hingebungsvoll an. Nur schade, dass diese amüsante Reise irgendwann an ihrem Ende ankommt. Immerhin: Ein Sahnehäubchen im wörtlichen Sinn gibt’s oben auf.

(Martina Jordan, Main-Echo, 3.6.13)

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